Platz nehmen wie anno dazumal

 

Auf reinen Sand gebettet ist die Sammlung volkskundlicher Gebrauchsgegenstände des Heimatvereins Augustdorf. Besucher laufen auf Steinplatten, darunter befindet sich der typische Boden der Region.

 

Der einzige Zugang zur Sammlung im Keller der Grundschule in der Senne führt über eine Treppe hinter der Aula. Vor dem Besucher breitet sich unter der niedrigen Decke eine schier unübersehbare Menge von Exponaten aus, die unterschiedlicher nicht sein können.

Von der Singer-Nähmaschine zum Bienenkorb, von der alten Registrierkasse der Gemeinde bis zum Kinderwagen: „Hier gibt es nichts, was es nicht gibt“, schmunzelt Dieter Renger. Seit vielen Jahren kümmern sich rund 25 Mitglieder um die Sammlung – der harte Kern, wie Dieter Renger sagt.                                                               In der guten Stube im Heimatkeller

In der Mehrzahl handelt es sich um Gegenstände des alltäglichen Lebens  von der Zeit um den Zweiten Weltkrieg, die in kleinen Räumen thematisch zusammengefasst sind. Da ist der Tisch in der guten Stube mit feinem Geschirr gedeckt, in der Küche stehen Her, Töpfe und ein Backtrog.        

In der Schusterecke könnten glatt Schuhe besohlt werden – hier wird Geschichte lebendig. Dieter Rengers Frau Heidrun ist auf dem Hof im Ort aufgewachsen. „ Zu jedem Kotten haben auch Heideflächen gehört“, erzählt sie. Statt Stroh, das dafür viel zu wertvoll war, wurde getrocknete Heide als Einstreu für die Ställe verwendet. Geschnitten wurde sie mit der Plaggenhacke, eine Art kurzer Sense, deren Funktion ihr Mann vorführt. Daneben steht eine Honigschleuder, in die die Waben in Kästen gelegt wurden. „Bei vielen Umdrehungen schleudert der Honig gut aus“, erzählt der Senior und dreht fleißig die Kurbel – eine Sammlung zum Anfassen eben.

In der Wäschekammer angelangt, holt seine Frau eine stattliche Unterhose aus der Vitrine. „ Die Mädchen sind davon immer fasziniert und kichern darüber“, erzählt sie. Im Pobereich kann ein Stoffstück abgeknüpft werden.

Ihr Mann betätigt derweil den Handhobel: „Die Kinder kennen so was gar nicht, wenn dann noch Späne aufspringen, sind sie besonders erfreut.“ Beide können viel von ihrer Kindheit erzählen, und nicht nur Kinder hören dann mit großen Augen zu. „Grundschulklassen sind wahnsinnig interessiert“, hat seine Frau festgestellt.

Kalt war es in früheren Zeiten, und auch damals ging man ungern mit kalten Füßen ins Bett. Heidrun Renger zeigt auf alte Wärmflaschen. „Bei uns gab es Steinhäger-Flaschen aus Steingut. Da kam Sand hinein, die Flasche kam in den Backofen und dann ins Bett“, erinnert sich die Augustdorferin.

Einige Ausstellungsstücke wie ein riesiger alter Überseekoffer mit feinem weißem Taufhemdchen und Unterkleidern lagern hier schon seit vielen Jahren, anderes ist jüngeren Datums. Immer wieder finden Leute auf ihrem Dachboden oder bei einer Haushaltsauflösung alte Schätzchen und bringen sie zum Heimatverein. Der Keller ist voller Geräte, die gar nicht alle entsprechend präsentiert werden können. Doch ein geeigneter anderer Ort ist nicht in Sicht. Für einen Ausbau der Rühlmannstätte kann die Gemeinde kein Geld zuschießen. Demnächst soll aus dem Keller aus Brandschutzgründen ein zweiter Ausgang hinauf zur Aula führen. An der Stelle steckt bereits ein Spaten in einem Sandhaufen. Die Mitglieder wollen dabei mithelfen. Hier sollen zudem neue Nischen für eine Schusterei und eine Zimmerei eingerichtet werden. Nicht zuletzt muss auch der Sand wieder mit Betonplatten bedeckt werden.

Lippische Landes-Zeitung 22.September 2011    Text  Cordula Gröne    Foto Preuss

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