Der Augustdorfer und sein Dorf

(Auszug aus der Küstermannschen Chronik

Die 1863 von dem damaligen Küster E. F. Küstermann geschriebene „Geschichte von Augustdorf“ gilt als eine der besten Ortschroniken in Lippe. Paul Worth hat das Manuskript 1924 mit der Schreibmaschine abgeschrieben; von seiner Abschrift sind uns drei Exemplare bekannt, das eine in der Bibliothek der Gemeinde Augustdorf, eines im Landesarchiv in Detmold und eins beim Heimatverein. Der Lehrer Hüttemann ergänzte 1950 die Chronik mit einem Anhang über die Entwicklung der Gemeinde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Die Bewohner dieses Dorfes kamen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands. Augustdorf war der Schmelztiegel, in dem sie alle geläutert wurden durch die Arbeit. Und wer als Abenteurer kam oder mit der stillen Hoffnung auf billigen Landerwerb, der musste scheitern, wenn er sich der Notwendigkeit der dauernden harten Arbeit entzog.

Dass ein Mensch seine Heimat liebt, bedarf als Selbstverständlichkeit keiner besonderen Erwähnung, dass der Augustdorfer aber mit ganzem Herzen und mit einer Liebe an seiner Scholle hängt, die mit Worten kaum wiederzugeben ist, liegt in dem zähen Festhalten des so sauer Erarbeiteten begründet. Von der Liebe zu seinem Dorf spricht der Augustdorfer nicht.

Alle aber, die das Dorf aus den verschiedensten Gründen wieder entließ zu Aufgaben in der Welt, fanden Worte der Dankbarkeit und der Liebe zu ihrem Augustdorf. (Ludwig Altenbernd: Eine Auswahl aus seinen Dichtungen. Erschienen 1919 in der Meyer’schen Hofbuchhandlung in Detmold)

Für die Generation der Augustdorfer, die jetzt auswärts leben, mag August Pollmann Nr. 80 sprechen, der heute in Detmold lebt:

Meinem lieben Dören

In Einsamkeit und abgeschieden,

fern vom Geräusch der großen Welt,

lang’ unbekannt und viel gemieden,

dort wählte ich mein Heimatzelt.

Von hohen Bergen rings umgeben

dehnt weit sich meine Heimatflur,

der lebte ich, der galt mein Streben,

du Senne – Einfalt der Natur.

 

Hier wo ich wurde einst erzogen,

wo ich gelebt in Freud und Leid,

euch gilt mein Gruß, seid mir gewogen,

ob jung und alt, zu jeder Zeit.

Hier schwanden froh der Kindheit Tage,

o längst vergangene goldene Zeit,

gleich einer lieben, fernen Sage

dacht ich an euch, ob nah ob weit.

 

Nach meiner Jugend frohen Tagen

zog ungestüm ich fast von hier.

Es war nicht leicht, ich mußt’s erfahren

dass hart das Leben fern von dir.

O Elternhaus, du trautes, liebes

hab oft im Geiste dich erblickt,

der Wald, das Feld, daheim die Lieben,

wie habt ihr mich dafern beglückt.

 

So reifte ich heran an Jahren,

sah manches Land und manche Stadt,

da draußen hab ich’s doch erfahren,

dass man nur eine Heimat hat.

Du Heimat warst mir unverloren,

hier sind die Wurzeln meiner Kraft

und wehe dem, der sie verloren,

der unstet irrt und nichts erhofft.

 

Du Heimat forderst hartes Ringen

nicht leicht ist hier des Daseins Los,

und dennoch hör ich frohes Singen

auf dieser Flur von Heid’ und Moos.

Die Lerche kreiset in den Lüften,

sie dankt dem Schöpfer der Natur

berückt von all’ den süßen Düften,

sie spendet hier die Heimatflur.

 

Noch einmal kehrt ich heute wieder

zu meinem vielgeliebten Platz.

Gewährt, ich bitt’ euch, Freunde, Brüder,

die Heimat mir, den besten Schatz.

Doch wenn ich einst von hinnen scheide

und schlafen geh’ zur ewigen Ruh,

wenn ich befreit vom irdschen Leide,

deckt mich die Heimaterde zu.

August Pollmann 1950

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