Geschichte wird lebendig

Der Heimatverein Augustdorf blickt auf über 40 Jahre Bestehen zurück. Kurz nach dem Jubiläum bringt die Pandemie die Aktivitäten zum Erliegen. Unterkriegen lässt sich der Vorstand dennoch nicht. Er überlegt sich Alternativen.


Vorsitzende Anette Strohdiek (von links), Geschäftsführerin Ilona Holtmann und Pressewartin Iris Diekmann mit Sennepferd „Quintero“, der ältesten deutschen Rasse mit Ursprung in Augustdorf. Foto: Nicole Ellerbrake

Altes bewahren und Neues fördern, das haben sich die knapp 400 Mitglieder des Heimatvereines zur Aufgabe gemacht. Mit viel Engagement, Herzblut und unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben sie in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte für die Augustdorfer Menschen und Tiere umgesetzt, Feste etabliert und die Geschichte der Gemeinde wieder lebendig werden lassen.

Im November 2019 hat der Verein sein 40-jähriges Bestehen gefeiert, kurze Zeit später kam das gesamte Vereinsleben aufgrund der Corona-Pandemie nahezu zum Erliegen. Bis Ende Juni sind alle geplanten Veranstaltungen abgesagt. Für die Zeit danach hofft der Vorstand auf eine deutliche Verbesserung der aktuellen Lage.

Im Jahr 1775 wurde die Gemeinde in Form von vier Hütten eines Kolonats in der Senne gegründet. Seitdem ist viel Zeit vergangen und es gibt viel zu erzählen über die Geschichte und Entwicklung der Gemeinde. Dieser Aufgabe hat sich der Heimatverein schon in den 1980er Jahren angenommen und über einen Heimatkeller nachgedacht, erinnert sich die Vorsitzende Anette Strohdiek. 1992 war es dann soweit: Zahlreiche Augustdorfer brachten Exponate, die sie aus den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten aufbewahrt hatten, und stellten sie dem Heimatverein zur Verfügung.

Die Mitglieder restaurierten die Gegenstände und richteten den Heimatkeller in der Grundschule in der Senne ein. Einzelne Abteile zeigen mit den Exponaten eingerichtete Küchen, Friseursalons, ein altes Kino, eine Schmiede und alles, was sich mit den Gegenständen nachstellen lässt. Dieser Anlaufpunkt ist nicht nur bei den Augustdorfern und vor allem am Tag der offenen Tür sehr beliebt, sondern dient auch der Lehre der Kinder. „Seit vier Jahren läuft das Projekt Heimatforscher“, erklärt Pressewartin Iris Diekmann. Die Kinder nehmen an einer Arbeitsgemeinschaft mit einer Museumspädagogin teil und arbeiten dabei wechselnde Themen auf. Sie besuchen dafür die Bewohner des Altenheims, die ihnen viel aus den alten Zeiten erzählen, und erstellen dann Kollagen.“ Gleich mit drei verschiedenen Heimatpreisen wurde das Projekt für diese Arbeit ausgezeichnet.

Ebenfalls Verdienst des Heimatvereines ist die Wanderschutzhütte „Senneblick“, die 2006 erbaut wurde und einen hervorragenden Blick über den Stapel ermöglicht. In der gesamten Gemeinde sind Nistkästen verteilt worden, die regelmäßig kontrolliert werden. Auf der Obstwiese am Senneweg wird ein kleiner Bestand an alten Obstbaumsorten gepflegt. Und mit alten Trachten und Gefährten nehmen die Mitglieder gerne und regelmäßig an Veranstaltungen teil, um den Menschen die alten Traditionen wieder näher zu bringen. Joachim Biere kümmert sich als Wegewart um die zahlreichen Wanderwege der Gemeinde und unterstützt die Lippe Tourismus & Marketing GmbH bei den Vorbereitungen zur Auszeichnung der Qualitätswanderwege.

Bekannt ist der Heimatverein außerdem für die herausragenden Koch- und Backkünste der Mitglieder, die auf den vielen Veranstaltungen immer wieder einzigartige Buffets ermöglichen, schwärmt Geschäftsführerin Ilona Holtmann. „Der Zusammenhalt bei uns stimmt und wenn Hilfe benötigt wird, ist immer jemand zur Stelle.“ Nur so könnten die vielen Veranstaltungen wie der Bratkartoffel- und Sülze-Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt, der Pickert-Verkauf auf der Herbstkirmes und das große Fest am 1. Mai überhaupt umgesetzt werden.

Obwohl all das aktuell nicht möglich ist und auch die regelmäßigen Wanderungen der Mitglieder noch ausfallen müssen, lässt sich der Vorstand immer wieder kleine Aktionen einfallen, um den Mitgliedern eine kleine Freude zu bereiten. Zum 1. Mai gab es etwa eine Flasche Bier mit einem Foto-Gruß für jeden Einzelnen, höchstpersönlich von den Vorstandsmitgliedern an die Haustür gebracht. „Darüber haben sich alle sehr gefreut“, sagt Anette Strohdiek.

 

Bericht Lippische Landeszeitung vom 15.05.2021

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